Bar Bosch: 90 Jahre die Ecke, die ganz Palma kommen und gehen sah
Im Februar 1936 eröffnete ein ehemaliger Koch des Gran Hotel namens Jaume Bosch Coves ein kleines Café an einer Ecke dessen, was damals wie heute einer der Plätze mit dem meisten Charakter im Zentrum Palmas ist: beherrscht von einem Obelisken aus dem 19. Jahrhundert, der auf vier steinernen Schildkröten ruht und den jeder Palmesaner schlicht "Plaza de las Tortugas" nennt, obwohl er offiziell Plaça de Joan Carles I heißt. Neunzig Jahre später hat dieses Café noch immer geöffnet, füllt sich jeden Morgen mit Nachbarn und Reisenden und bleibt für einen großen Teil der Stadt der erste Name, der einem einfällt, wenn jemand fragt, wo man sich treffen soll.
Die "Languste", die nie eine war
Das berühmteste Gericht ist kein Meeresfrüchte-Gericht, sondern Brot: ein getoastetes Llonguet-Brötchen, mit Tomate eingerieben und klassisch mit Schinken und Käse gefüllt, das alle unter einem Namen bestellen, der jeden Erstbesucher verwirrt — eine "langosta", eine "Languste". Der lokalen Überlieferung nach soll einer der langjährigen Kellner den Spitznamen geprägt haben, inspiriert von dem rosa Ton, den die Tomate in der Krume hinterließ. Fast ein Jahrhundert später ist es immer noch die schnellste Art, jemanden zu erkennen, der den Bosch bereits kennt.
Kartenspiele, Schach und so mancher konspirative Morgen
Im Obergeschoss spielte sich während der Nachkriegsjahre ein großer Teil des gesellschaftlichen Lebens der Stadt ab: Kartenspiele, Tertulias und feste Stammtische, die sich — ganz ohne soziale Netzwerke — persönlich treffen mussten, um sich auszutauschen. In den 1950er-Jahren wurde der Bosch außerdem zum Treffpunkt der Schachliebhaber Palmas. In den härtesten Jahren der Franco-Diktatur waren seine Tische sogar Schauplatz eines Kapitels des demokratischen Widerstands: Der Schriftsteller Antoni Serra traf sich dort mit anderen im Morgengrauen, um einen Protestbrief zu verfassen, den die Presse jener Zeit nie veröffentlichte.
Zwölf Stunden im Bosch
Im April 1984 stellten sich zwei junge Journalisten, Fernando Merino und Joan Miquel Ferrà, einer ungewöhnlichen Herausforderung: zwölf Stunden am Stück in der Bar zu verbringen, um Stunde für Stunde die ganze Stadt einzufangen, die dort vorbeizog — vom morgendlichen Kaffee der Arbeiter bis zu den abendlichen Bieren der Jugend. Die im El Día de Baleares veröffentlichte Reportage trug entscheidend dazu bei, den Ruf des Bosch als der Kreuzungspunkt Ciutats zu festigen.
Tische, die alles gesehen haben
Ein halbes Jahrhundert mallorquinisches Kulturleben ist an diesen Tischen vorbeigezogen. Der Maler Joan Miró kam jeden Nachmittag auf einen Café con leche vorbei; auch sein Enkel David war Stammgast. Der Rennfahrer Niki Lauda, der Astronaut Pedro Duque, der Fußballer Miquel Àngel Nadal und Miquel Barceló selbst — dessen Vermächtnis in der Kathedrale wir bereits vorgestellt haben — haben hier alle ihre Spuren hinterlassen. Man sagt, ohne endgültige Bestätigung, dass sogar Henry Kissinger einmal auf der Terrasse saß. Kein Zufall: Die Nähe zum Teatre Principal, dessen Saisoneröffnung wir ebenfalls im Blog vorgestellt haben, hat Generationen von Schauspielern und Theatergruppen auf der Durchreise in den Bosch gelockt.
Von den Bosch zu den Flexas
In den 1970er-Jahren verkaufte Jaume Bosch das Geschäft an Onofre Flexas, dessen Familie es bis heute führt. Der Name jedoch blieb — und krönt heute auch das kleine Boutique-Hotel, das direkt über dem Café untergebracht ist.
Fast alle Namen, die je an seinen Tischen saßen, haben gewechselt, doch neunzig Jahre später hält die Ecke am Schildkrötenplatz noch immer denselben Platz frei für alle, die einfach innehalten und der Stadt beim Vorbeiziehen zusehen wollen.