Ein Slow Day in Palma: Abschalten ohne die Altstadt zu verlassen
Palma ist seit Jahrhunderten eine Stadt des Durchgangs. Phönizier, Römer, Araber, Katalanen: Alle kamen, bauten und hinterließen etwas. Was heute bleibt, ist eine Überlagerung von Schichten, mit der nur wenige mediterrane Städte mithalten können. Sie langsam zu durchwandern ist keine ästhetische Entscheidung — es ist die einzige Möglichkeit, sie wirklich zu verstehen.
Beginnen ohne Wecker. Oder fast.
Der langsame Rhythmus beginnt bereits am Vorabend: Benachrichtigungen ausschalten und die Stadt auf ihre eigene Art wecken lassen. Vom Rooftop des Es Princep aus hat der Sonnenaufgang über der arabischen Stadtmauer und der Kathedrale La Seu etwas Unwirkliches. Es ist der beste Wecker, den Palma zu bieten hat.
Danach ausgiebig frühstücken. Das Viertel La Calatrava, in dem das Hotel liegt, beherbergt einige der interessantesten Bäckereien und Cafés der Stadt. Das Can Joan de s'Aigo, 1700 gegründet und als ältestes Café Mallorcas geltend, liegt nur wenige Minuten zu Fuß entfernt und bietet ein Ensaimada-Frühstück, das für sich allein schon ein kulturelles Erlebnis ist.
Die Stadtmauer als Spaziergang, nicht als Monument
Palmas Renaissancemauer unterscheidet sich von anderen europäischen Befestigungsanlagen: Man kann auf ihr spazieren, auf ihr sitzen, neben ihr leben. Der Paseo del Born und der Baluard de Sant Pere sind der ideale Ort für jenen langsamen Vormittagsspaziergang, bei dem das einzige Ziel darin besteht, kein Ziel zu haben.
Wer etwas mehr historischen Kontext möchte, findet ihn im Museu de Mallorca — fünf Minuten zu Fuß vom Es Princep entfernt. Es beherbergt eine der umfangreichsten archäologischen Sammlungen der Balearen. Sehr günstiger Eintritt und Räume, in denen die Zeit stillzustehen scheint.
Mittagessen ohne Uhr: Tapas auf dem Platz
Die Altstadt von Palma vereint ein gastronomisches Angebot, das vom klassischen Vermut-Bar bis zur kreativsten mallorquinischen Küche reicht. Für einen Slow Day empfiehlt es sich, die großen Restaurants zu meiden und stattdessen die Bars rund um die Plaça Major oder die Tavernen in der Carrer Apuntadors aufzusuchen, wo die Zeit in Runden und nicht in Stunden gemessen wird.
Pa amb oli — Landbrot, mit Tomate und mallorquinischem Olivenöl eingerieben, mit lokaler Wurst serviert — ist das Gericht, das die Slow-Philosophie der Insel am besten verkörpert. Schlicht, ehrlich, kaum zu übertreffen.
Der Nachmittag: Galerien, Innenhöfe und nichts weiter
Palmas historisches Zentrum beherbergt eine überraschend lebendige zeitgenössische Kunstszene. Die Fundació Miró Mallorca ist ein Pflichtbesuch für alle, die die Beziehung zwischen dem Künstler und der Insel verstehen möchten. Ebenso lohnend ist ein Bummel durch die kleineren Galerien im Viertel Santa Catalina oder am Borne, wo der Eintritt frei und die Kunst zugänglich ist.
Die Innenhöfe der Altstadt sind ein weiteres Geheimnis, das die Einheimischen diskret hüten. Einige Adelsgebäude aus dem 16. und 17. Jahrhundert besitzen Innenhöfe mit jahrhundertealten Palmen, die von der Straße aus zu sehen sind oder bei Tag der offenen Tür besichtigt werden können.
Der Sonnenuntergang, der allem einen Sinn gibt
Der Rooftop des Es Princep ist mehr als eine Terrasse mit Aussicht. Es ist der Punkt, an dem der Slow Day seinen Kreis schließt. Die Mauer von oben, die Kathedrale im Licht der untergehenden Sonne, das Meer im Hintergrund. Viel mehr braucht es nicht.
Ein Aperol, ein gutes Buch oder einfach zusehen, wie das Licht über den Dächern der Altstadt wechselt. Genau das bedeutet Abschalten in Palma.
Damit auch der Abend Ihnen gehört
Wer nach dem Slow Day noch Lust auf mehr hat: Die Altstadt bietet ein Nachtleben, das von Konzerten im Teatre Principal — mit einem Programm aus Oper, Flamenco und Live-Musik — bis zu den ruhigen Terrassen des Paseo de la Rambla reicht. Palma bei Nacht, von innen im Viertel erlebt, ist eine vollkommen andere Stadt.