Palma, die Stadt der Innenhöfe
Palma, die Stadt der Innenhöfe
Palma wurde von innen nach außen gebaut. Während die Hafenstädte des Mittelmeers ihre Mauern und Kathedralen zum Meer hin ausrichteten, bündelte die mallorquinische Hauptstadt einen großen Teil ihres Reichtums und ihrer Identität in einer intimeren Geste: dem Innenhof. Hinter bewusst schlichten Fassaden —nacktem Stein, wenig Schmuck, einem großen Tor und kaum mehr— bewahrten Kaufmanns-, Adels- und Klerikerfamilien einen offenen Raum, der zugleich Eingangshalle, Bühne und Machtbekenntnis war. Bis heute ist dieser Raum der beste Weg, um zu verstehen, wie man im Palma der glanzvollen Jahrhunderte lebte — und gesellschaftlich aufstieg.
Was ist ein mallorquinischer Innenhof?
Ein mallorquinischer Patio ist weder ein Garten noch ein bloßer Flur. Er ist eine Schwelle: der Punkt, an dem die öffentliche Straße ohne geschlossene Tür dazwischen zum privaten Haus wird. Jahrhundertelang war er ein halböffentlicher Raum —man trat ein, wartete, ging hindurch— und einige bewahren noch heute diesen Charakter eines Durchgangs zwischen zwei Straßen. Diese Mehrdeutigkeit zwischen Drinnen und Draußen unterscheidet die Höfe Palmas von den berühmten Patios Andalusiens: Hier geht es nicht um eine geschlossene Blumenoase, sondern um ein Stück Zivilarchitektur, das durchschritten und dabei bewundert werden soll.
Die Anatomie eines Innenhofs
Fast alle teilen dieselbe Grammatik. Man betritt ihn durch das portal forà, den großen Bogen der Fassade; man durchquert einen zaguán, einen Eingangsdurchgang; und gelangt in den eigentlichen, zum Himmel offenen Hof, umgeben von Säulen mit ihren Kapitellen und von Bögen, die in den feinsten Beispielen des 18. Jahrhunderts fast bis zur Unmöglichkeit abgeflacht sind, um die Struktur zu erleichtern. Von dort führt eine herrschaftliche Treppe —mitunter im imperialen Stil, mit schmiedeeisernem Geländer— zur Galerie und schließlich zur Beletage: dem eigentlichen, der Familie vorbehaltenen Haus. Einen Hof zu lesen heißt, diese Abfolge zu lesen: je theatralischer die Treppe, desto höher wollte sich ihr Besitzer stellen.
Wie sie sich über die Jahrhunderte wandelten
Die ältesten erhaltenen Höfe sind gotisch, aus dem 14. und 15. Jahrhundert, oft auf Fundamenten aus islamischer Zeit errichtet. Der Geschmack veränderte sich mit der Zeit: von mittelalterlicher Strenge zu den ionischen Kapitellen und abgeflachten Bögen des Barock und des 18. Jahrhunderts. Das 19. Jahrhundert fügte ein Detail hinzu, das uns heute wesentlich erscheint, aber relativ spät kam: die großen, grünblättrigen Pflanzen, aufgestellt, um einem Raum Kühle und Schatten zu spenden, der in Palmas Sommern als die kühle Lunge des Hauses diente.
Von fünfhundert auf hundert
Mit der Zeit verloren viele Höfe ihre öffentliche Funktion. Die meisten sind heute in Privatbesitz und bleiben geschlossen; manche lassen sich nicht einmal erahnen. Damit dieses Erbe nicht ganz aus dem Blick verschwand, ging die Stadtverwaltung so weit, die schmiedeeisernen Gitter mehrerer Höfe zu finanzieren, sodass Passanten zumindest von der Straße aus hineinschauen können. Nach den Zählungen, die in populären Stadtrundgängen verwendet werden, soll die Stadt einst rund fünfhundert Höfe besessen haben; heute sind es vielleicht noch hundert.
Wo man sie heute sehen kann
Die gute Nachricht für Reisende: Einige haben ein zweites, öffentlich zugängliches Leben gefunden. Can Balaguer ist heute ein Kulturzentrum, das Casal Solleric ein Raum für zeitgenössische Kunst; weitere Herrenhäuser beherbergen Archive und Museen, die man samt Innenhof besichtigen kann. Wer von der Theorie zum Spaziergang übergehen möchte, findet die sechs schönsten herrschaftlichen Innenhöfe Palmas in einem eigenen Beitrag, mit Adressen und dem, was einen jeweils erwartet; ebenso lässt sich die Patio-Route verfolgen, die das balearische Fremdenverkehrsamt vorschlägt.
Durch die Höfe zu schlendern ist letztlich die geruhsamste Art, Palma kennenzulernen: eine Stadt, die ihren Luxus nicht an der Straßenfront zeigt, sondern einen Schritt weiter innen, in der kühlen Stille eines Patios, in dem die Zeit innezuhalten scheint. Es ist genau jenes Palma —urban, kultiviert und ohne Eile—, das sich am besten bei einem Aufenthalt im Herzen der Altstadt entdecken lässt, in Stadtvierteln wie Sa Calatrava.