Allerheiligen in Palma: Bunyols, Rosaris und Panellets
Mallorquinische Konditoren erzählen eine Geschichte aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Manche Menschen hätten damals in ihrem Testament verfügt, dass man kleine Brote auf ihr Grab legen solle, für die Armen, die über den Friedhof kamen. Man nannte sie panets de mort, und auf diese Wohltätigkeit gehen einige der Süßigkeiten zurück, die Ende Oktober die Schaufenster Palmas füllen.
Auf Mallorca ist Tots Sants, Allerheiligen, ein Tag des Gedenkens. Die Familien besuchen den Friedhof, bringen Blumen und kommen am Tisch zusammen. In diesem Jahr fällt der 1. November auf einen Sonntag. Und wie fast jedes Fest der Insel wird auch dieses mit Genuss gefeiert. Drei Süßigkeiten dürfen nicht fehlen.
Bunyols: Die Saison beginnt mit les Verges
Zuerst kommen die Bunyols. Ihre Saison beginnt am Vorabend des Festes der heiligen Ursula, der Nit de les Verges. Früher sangen junge Männer in dieser Nacht Ständchen unter den Balkonen und wurden anschließend zu Bunyols und Süßwein hereingebeten. Ein Sprichwort bringt es auf den Punkt: „Per Tots Sants seran bunyols“, zu Allerheiligen gibt es Bunyols.
Der mallorquinische Bunyol hat wenig mit einem gewöhnlichen Krapfen gemein. Der Teig enthält Kartoffeln und oft Süßkartoffeln. Er wird mit einem Loch in der Mitte in sehr heißem Öl frittiert und mit Zucker bestäubt. Konditoreien bieten auch Varianten mit Creme-, Sahne- oder Trüffelfüllung an. In diesen Wochen öffnen zudem saisonale Stände in der Stadt, an denen sie frisch ausgebacken werden. Mehr dazu erzählt dieser Bericht des Mallorca Magazins. Den Duft erkennt man schon eine Straße weiter.
Rosaris: das Geschenk der Paten
Die eigenwilligste Süßigkeit von Allerheiligen ist zugleich die typischste für Palma. Das Wörterbuch Alcover-Moll beschreibt den Rosari als eine Kette aus Pralinen und Konditorware, die Kinder zu Allerheiligen geschenkt bekommen. Es vermerkt auch, dass der Brauch vor allem in Palma verwurzelt ist und sich von hier aus über die Insel verbreitet hat, wie dieser historische Rückblick zeigt.
Traditionell schenkten ihn die Paten ihren Patenkindern. Jedes Teil hatte seine Bedeutung: Die Perlen für die Ave-Marias waren Panellets, die für die Vaterunser kandierte Früchte. In der Mitte hängt die patena, ein großes Medaillon aus carabassat, kandiertem Kürbis, das wie altes Gold glänzt. Generationen von Kindern liefen in Palma mit dem Rosenkranz um den Hals durch die Straßen.
Der Brauch reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück und lebt bis heute fort, wenn auch verändert. Patenas aus Kürbis sind immer schwerer zu finden, weshalb viele Konditoreien sie inzwischen aus Schokolade herstellen, wie der Bäcker- und Konditorenverband PIMEM berichtet. Es gibt Rosaris aus Keksen für die Kleinsten, aus Pralinen und sogar aus Fruchtgummis. Nur der Kalender ändert sich nie: Rosaris werden ausschließlich für diese Tage hergestellt und verschwinden nach dem Fest bis zum nächsten Jahr aus den Auslagen.
Panellets: Mandeln, Pinienkerne und Geduld
Panellets stammen aus Katalonien, doch Mallorca hat sie sich längst zu eigen gemacht. Die Grundlage ist einfach: gemahlene Mandeln, Zucker und Zitronenschale, manchmal mit Eigelb. Die klassische Variante wird vor dem Backen in Pinienkernen gewälzt. Darüber hinaus experimentiert jede Konditorei mit eigenen Geschmacksrichtungen wie Kaffee, Kokos, Orange, Erdbeere, Quitte oder Pistazie. Die besten werden mit mallorquinischen Mandeln gemacht, und das schmeckt man.
Gegessen werden sie im Kreis der Familie nach dem Mittagessen am 1. November. Traditionell trinkt man einen Süßwein dazu, und ein Moscatel von der Insel passt hervorragend.
Wo man sie in Palma kauft
Die traditionsreichen Konditoreien der Altstadt sind der beste Ort, um den Brauch zu erleben. Im Forn Fondo in der Carrer de la Unió stellt man fast alle Bestandteile der Rosaris selbst her: Marzipankugeln, Pralinen, paciència-Kekse und die Patena aus Schokolade. Die Panellets gibt es in einer langen Liste von Geschmacksrichtungen. Der Forn del Santo Cristo fertigt seine Rosaris aus kandiertem Kürbis und Pralinen, mit Schokoladenmünzen als Patena. Und die Pastisseria Pomar in der Carrer de Manacor stellt sie weiterhin aus Panellets, Pralinen und Früchten her, als Geschenk für Enkel und Patenkinder.
Ein praktischer Tipp: Handgemachte Rosaris gibt es nur in kleiner Zahl, und sie sind schnell ausverkauft. Bestellen Sie am besten vor und prüfen Sie die Öffnungszeiten der jeweiligen Konditorei, denn in diesem Jahr fällt das Fest auf ein Wochenende.
Ein Brauch neben Halloween
In Palma teilt sich Allerheiligen den Kalender mit Halloween. In den Schaufenstern stehen Fondant-Kürbisse neben den traditionellen Rosaris. Die Konditoren räumen ein, dass sich viele junge Familien dem neueren Fest angeschlossen haben, doch der Kontrast hat seinen Reiz. Selten sieht man so deutlich, wie eine Stadt entscheidet, welche Bräuche sie bewahrt.
Von Backstube zu Backstube
Die Süßigkeiten von Allerheiligen laden zu einem gemächlichen Spaziergang durch die Altstadt ein, von Backstube zu Backstube und mit einer Papiertüte in der Hand. Wer die kulinarische Runde fortsetzen möchte, findet in unserer Auswahl der authentischsten Tapas-Bars Palmas gute Adressen. Und zum Ausklang des Nachmittags wartet der Blick über die Bucht von ALMAQ, dem Rooftop von Es Princep, während das Novemberlicht über der Kathedrale verglimmt.
Weitere Ideen für den Herbst in Palma und auf Mallorca finden Sie in unserem Blog.