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Arrels: Katharina Grosse verwandelt die Llotja in Palma
ES PRINCEP

Arrels: Katharina Grosse verwandelt die Llotja in Palma

Geschrieben von ES PRINCEP / Oktober 16, 2026

Eine sieben Tonnen schwere Kiefer liegt auf dem Boden der Llotja in Palma. Sie ist umgestürzt, die Wurzeln ragen in die Luft, und sie ist in Farben bemalt, die kein Wald je gesehen hat. Um sie herum breitet sich eingefärbte Erde über den Boden aus und klettert an den Säulen empor, als hätte das Gebäude selbst Wurzeln geschlagen. Das ist „Arrels”, die Arbeit, mit der die deutsche Künstlerin Katharina Grosse die alte Börse der Kaufleute in eine Landschaft verwandelt hat. Man betrachtet sie nicht, man durchschreitet sie. Zu sehen ist sie bis zum 31. Januar 2027.

Ein Denkmal, das man nicht berühren darf

Die Llotja gehört zu den großen Werken der mediterranen Profangotik. Der mallorquinische Baumeister Guillem Sagrera errichtete sie im 15. Jahrhundert als Sitz der Kaufmannsgilde, in einem Palma, das ganz auf seinen Hafen ausgerichtet war. Im Inneren winden sich sechs gedrehte Säulen wie steinerne Stämme zum Gewölbe empor. Kaum ein Gebäude scheint besser geeignet, einen Baum aufzunehmen.

Darin liegt der erste Schlüssel zum Werk. Grosse durfte den Stein weder anbohren noch bemalen, denn das Denkmal ist unantastbar. Also tat sie das Gegenteil dessen, wofür sie bekannt ist. Statt die Architektur mit Farbe zu überziehen, baute sie in ihr das Modell einer Landschaft und ließ die Farbe alles Weitere verbinden.

Vierzig Tonnen Farbe

Die Zahlen beeindrucken schon vor dem Eintreten. Wie die Lokalzeitung Ultima Hora am Eröffnungstag berichtete, wiegt die Installation 40 Tonnen. Ihr Zentrum ist die bemalte Kiefer mit sieben Tonnen. Den Rest bildet farbige Erde, die den Boden bedeckt und an Sockeln, Säulen und Bögen hinaufsteigt.

Die Wirkung verblüfft, im besten Sinne. Wie das mitproduzierende Museum Es Baluard erklärt, nutzt Grosse die Farbe, um Gegensätzliches zu vereinen und die Wahrnehmung zu verändern. Die Grenzen zwischen Malerei, Skulptur und Architektur verschwimmen, ebenso die zwischen Wand und Boden, zwischen Betrachter und Beteiligtem. Es gibt keinen Standpunkt, von dem aus man „das Werk” sieht. Man muss es abgehen, den Baum umrunden, den Blick zum Gewölbe heben und wieder zum Boden senken.

Der Titel fasst es zusammen. „Arrels” bedeutet auf Katalanisch „Wurzeln”. Gemeint sind die Wurzeln eines entwurzelten Baumes und die eines Gebäudes, das seit fast sechs Jahrhunderten am Meer verankert ist. Die Künstlerin selbst sprach bei der Präsentation vom Gegensatz zwischen der Vergänglichkeit ihrer Arbeit und der Langlebigkeit der Llotja.

Katharina Grosse

Wer in Deutschland zeitgenössische Kunst verfolgt, kennt ihren Namen. Grosse wurde 1961 in Freiburg im Breisgau geboren, lebt und arbeitet in Berlin und Neuseeland und holt die Malerei seit über dreißig Jahren von der Leinwand. Ihr bevorzugtes Werkzeug ist die Spritzpistole. Ihr Malgrund ist nahezu alles: Wände, Böden, ganze Gebäude. Umgestürzte Bäume tauchten in ihrem Werk schon früher auf, etwa in I Think This Is a Pine Tree (2013). Ausgestellt hat sie unter anderem im Centre Pompidou-Metz, im Hamburger Bahnhof in Berlin, im MoMA PS1 in New York und auf der Biennale von Venedig. Kuratiert wird die Schau von David Barro, dem Direktor von Es Baluard, das sie gemeinsam mit der Balearenregierung produziert.

Die Llotja als Bühne für Gegenwartskunst

„Arrels” ist das jüngste Kapitel einer Reihe, die 2023 begann, als die Balearenregierung die Llotja als Ausstellungsraum zurückgewann. Vor Grosse waren hier Pedro Cabrita Reis, Julian Opie, Jaume Plensa und Joan Miró zu sehen. Laut der offiziellen Seite der Llotja zählte das Gebäude in seinen ersten beiden Jahren als Ausstellungsort über 900.000 Besucher. Wer dem Faden folgen möchte, findet in unserer Route durch die Galerien der Altstadt weitere Adressen. In unserem Beitrag zur Nit de l’Art erzählen wir, wie Palma seit dreißig Jahren seine Türen für die Kunst der Gegenwart öffnet.

Besuch

Die Llotja liegt an der Plaça de la Llotja 5. Geöffnet ist von 10.30 bis 13 Uhr und von 16 bis 21 Uhr. Ab November endet die Nachmittagsöffnung um 19 Uhr. Die Ausstellung läuft bis zum 31. Januar 2027. Es lohnt sich, ohne Eile zu kommen: Das Licht, das durch die Fenster fällt, verändert sich zwischen Vormittag und Nachmittag stark, und mit ihm die Farben der Installation.

Von der Llotja auf die Dachterrasse

Für Gäste in La Calatrava ergibt sich der Plan fast von selbst. Die Llotja liegt nur einen Spaziergang von Es Princep entfernt: an der Stadtmauer entlang und unterhalb der Almudaina und der Kathedrale vorbei. Wer um 16 Uhr zur Nachmittagsöffnung kommt und am Meer entlang zurückschlendert, ist rechtzeitig zum Sonnenuntergang auf ALMAQ, der Dachterrasse von Es Princep. Dort liegt die Bucht im Hintergrund, und der Kopf ist noch voller Farbe.

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